Ethische Entscheidungen im Pflegealltag: Warum niemand damit allein bleiben sollte
Pflegefachpersonen treffen täglich Entscheidungen. Viele davon sind fachlich klar, routiniert und gut begründet. Andere hingegen lassen uns innehalten.
Sie lassen uns zweifeln, diskutieren, manchmal auch schlecht schlafen.
Denn sie berühren grundlegende Fragen:
- Was ist richtig?
- Was entspricht dem Willen der Patientin oder des Patienten?
- Und was kann ich mit meinem beruflichen und persönlichen Werteverständnis noch verantworten?
Gerade in Situationen, in denen Menschen sich nicht mehr selbst äußern können – etwa bei schwerer Erkrankung, Demenz oder in akuten Krisen – geraten ethische Fragen schnell in den Mittelpunkt.
Soll eine Therapie fortgeführt werden, obwohl sie offensichtlich belastet? Wie gehen wir mit widersprüchlichen Erwartungen von Angehörigen um? Und was tun wir, wenn im Team unterschiedliche Einschätzungen bestehen?
Pflegefachpersonen erleben diese Konflikte oft besonders intensiv.
Wir sind nah dran, begleiten Menschen über längere Zeit, erleben Ängste, Hoffnungen und Leid unmittelbar. Das macht unsere Perspektive unverzichtbar – aber es kann auch belasten. Ethische Unsicherheit ist dabei aber kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck professioneller Verantwortung.
Genau hier setzen Ethikkomitees an.
Sie bieten einen geschützten Raum, um schwierige Situationen gemeinsam zu betrachten, Argumente abzuwägen und Entscheidungen transparent zu reflektieren. Für die Pflege bedeutet das: gehört werden, mitdenken dürfen und Verantwortung teilen. Ethikkomitees sind keine Instanz, die „richtige“ Lösungen vorgibt. Sie helfen vielmehr dabei, tragfähige Wege zu finden – im Dialog, interdisziplinär und auf Augenhöhe.
Die Plattform bietet die Möglichkeit, Fragen oder Fälle einzubringen und Unsicherheiten ohne Angst vor Bewertung oder hierarchischen Strukturen des Pflegealltags anzusprechen. Das schafft Entlastung und stärkt zugleich die ethische Kompetenz im Berufsalltag.
Ethische Fallbesprechungen wirken oft über den einzelnen Fall hinaus.
Sie fördern das Verständnis füreinander im Team, schärfen die eigene professionelle Haltung und machen deutlich: Pflege ist nicht nur ausführend, sondern mitgestaltend. Wer ethische Fragen ernst nimmt, trägt aktiv zur Qualität der Versorgung bei – und schützt sich selbst vor moralischer Überforderung.
Neben konkreter Beratung braucht es auch Orte des Austauschs und der Diskussion. Veranstaltungen, die sich mit ethischen Fragestellungen beschäftigen, bieten Raum zum Zuhören, Nachfragen und Mitreden. Sie laden Pflegefachpersonen ausdrücklich ein, ihre Perspektive einzubringen und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln.
Eine entsprechende Veranstaltungseinladung der Ärztekammer des Saarlandes finden Sie hier.
Veranstaltung am 26. Januar 2026 „Indikation des Arztes und Wille des Patienten: Therapieentscheidungen bei Eingeschränkt- bez. Nicht-Einwilligungsfähigen Patienten“ (PDF-Datei)
Ethische Entscheidungen gehören zum Pflegeberuf – jeden Tag. Gut zu wissen, dass es Strukturen gibt, die dabei unterstützen. Denn niemand sollte mit diesen Fragen allein bleiben müssen.