Veröffentlicht am 30. April 2021

Angehörige in stationären Pflegeinrichtungen in Zeiten von Corona

Die größte Problematik in den stationären Pflegeinrichtungen ist die hohe Anzahl der Corona- Fälle.  Für die Einrichtungen ist es eine echte Herausforderung, den Schutz der Bewohner*innen und der Mitarbeiter*innen zu gewährleisten und gleichzeitig soziale Isolation und Einsamkeit der Pflegebedürftigen zu vermeiden.

Durch die neuen Regelungen zu Besuchseinschränkungen wird die vulnerable Gruppe, zu denen Pflegebedürftige und Heimbewohner*innen in Pflegeinrichtungen zählen, bewusst geschützt.

Besuche in Einrichtungen sind nach § 1a und 1b des saarländischen Wohn-, Betreuungs- und Pflegequalitätsgesetzes im Rahmen eines Besuchskonzepts zulässig. Das Besuchskonzept muss mindestens einen täglichen Besuch von zwei Besucherinnen oder Besuchern aus zwei Hausständen ermöglichen. Hierzu erlässt das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie unter Berücksichtigung des aktuellen Infektionsgeschehens Richtlinien.
Diese sollten enthalten: Festlegungen zur Anzahl und Dauer der Besuche sowie zum Kreis der Besucher*innen und zu ihrer Registrierung, außerdem Beschreibung der Maßnahmen zur Einhaltung des Mindestabstandes zum Schutz der Bewohner*innen und des Personals vor Infektionen.

Die Pflegebedürftigen leiden stark unter den einschränkenden Regelungen. Sie fühlen sich einsam. Alte Menschen haben meist wenig soziale Kontakte und dass Besuche von Angehörigen ausbleiben, macht ihnen in der Regel schwer zu schaffen. Moderne Medien wie Skype oder FaceTime stehen nicht überall zur Verfügung, bzw. können nicht genutzt werden. Depressionen, Angst und Stress, sowie Schlafstörungen sind mögliche Folgen.

Was können pflegende Angehörige tun?

Prävention und Einhaltung der Schutzmaßnahmen

• Notwendige Einschränkungen akzeptieren
• Besucherregeln befolgen
• Abstandsregeln einhalten
• Angehörige im Außenbereich besuchen, wenn möglich
• Hygieneregeln beachten
• Anzahl der Kontaktpersonen geringhalten.

Kooperation mit der Einrichtung

• Bleiben Sie im regelmäßigen Kontakt mit Einrichtungsleitung
• Fragen Sie nach einer Pflege-Bezugsperson
• Wie sind die Arztbesuche geregelt?
• wie steht es um die tägliche Versorgung?
• Verständnis zeigen
• Wertschätzung für Pflegepersonal zeigen.

Dem Angehörigen etwas Gutes tun

• Mit dem Angehörigen über Sorgen und Emotionen sprechen
• Familienfotos schicken
• „Care-Pakete“ senden
• Lieblingsessen bringen
• zu Bewegungsübungen motivieren
• Überraschungen schicken
• Demenzerkrankte nicht verwirren, sondern über Bezugsperson agieren.

Kontakt halten!

• Sprachnachricht über Pflegepersonal
• Skype oder Facetime nutzen, wenn möglich
• Briefe schreiben
• Telefonrituale
• Besuchspläne entwickeln
• Besuchszeiten vorher ankündigen.

Wichtige Schritte zur Planung einer Pflegesituation

  • Arbeitgeber nach Regelungen und Möglichkeiten im Betrieb fragen (zum Beispiel Pflegezeit)
  • Über das betreffende Krankheitsbild informieren (zum Beispiel bei Demenz).
  • Beratung zum Hilfe- und Pflegenetz einholen (Beratungsstellen und Pflegestützpunkte)
  • Rechtliche Vorsorge und Finanzierung prüfen, bzw. prüfen lassen.
  • Eigene Grenzen erkennen und respektieren – Entlastung einplanen – Leistungsfähigkeit erhalten

Beratungsstellen und Pflegestützpunkte nutzen!

Die Pflegestützpunkte im Saarland sollen als zentraler Ansprechpartner dafür sorgen, dass pflegende Angehörige möglichst alle Informationen aus einer Hand bekommen. Das Beratungsangebot der Pflegestützpunkte ist kostenlos und enthält folgende Angebote:

  • Informationen zu den Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung (z. B. Hilfsmittel beantragen)
  • Informationen und Unterstützung zu Antrag und Auswahl von Pflegeleistungen (z. B. Pflegegrad, Sozialleistungen, Wohnraumanpassungen etc.),
  • Entlastungsangebote für pflegende Angehörige (z. B. Verhinderungspflege)
  • Beratung zu Versorgungs- und Betreuungsmöglichkeiten und Dienstleistungen für Senioren (z.B. Nachbarschaftshilfe, Einkaufshilfen, Haushaltshilfen, Seniorendienste bzw. Besuchsdienste, ehrenamtliche Begleitungen, Wohnberatung)
  • Vermittlung zu lokalen Pflege- und Betreuungseinrichtungen (z. B. Dienste für ambulante Pflege, stationäre Seniorenpflegeeinrichtungen, Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege-Einrichtungen)
  • Informationen zu Unterstützungsangeboten (z. B. Alltagsbegleiter, ehrenamtliche Kräfte)
  • Informationen zu Pflegekursen (§ 45 SGB XI) und weiteren Schulungs- und Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige.

Kontakt Pflegestützpunkte im Saarland


Weitere Hilfsangebote und Informationen:

Flyer
Pflege in der Arbeitskammer – ein Wegweiser (PDF / arbeitskammer.de)

Gesund Pflegen (PDF / arbeitskammer.de)

Pflegefall akut (PDF/ arbeitskammer.de)

Pflegezeitgesetz (PDF / arbeitskammer.de)

Hilfsdienste in Corona -Zeiten:

https://www.sr.de/sr/sr3/themen/ratgeber/fahrdienst e_impfzentren_100.htm

https://www.pflege-portal-saar.de/

Tipps zur Entlastung für Pflegende | Prävention in der Pflege (pflege-praevention.de)

https://www.pflege-praevention.de/corona-schutz-angehoerige/

https://www.senioren-ratgeber.de/An-deiner-Seite/Corona-und-Pflege-Was-Angehoerige-wissen-sollten-557463.html

Eigene Gesundheit Eine Pflegesituation ist anstrengend und kostet Kraft.
Daher sollten Pflegende bei jeglicher Planung auch immer an die eigene Gesundheit denken und entsprechende Freiräume einplanen, um die eigenen Ressourcen zu schonen und wieder herzustellen.

  • Eigene Motivation überprüfen, Gefühle zulassen
  • Nur das tun was man tun kann; (Pflege-) Tätigkeiten abgeben
  • Eigener Familie und Berufstätigkeit Vorrang geben; Aktivität außerhalb der Betreuung wahrnehmen. Eigene Wünsche nicht vernachlässigen.
  • Grenze eigener Belastbarkeit erkennen „Von der Bordsteinkante zurücktreten“ und Pflegesituation planen. Mehrere Personen in Hilfe-/Pflegenetz einbeziehen und Eltern selbstverantwortlich Dinge entscheiden/regeln lassen („Was schlägst du vor?“) Andere einbinden („Wie sag ich‘s meinem Vater?“), neue Bezugspersonen schaffen.
  • Urlaub und Auszeit von der Betreuung nehmen.
  • Das Hilfe- und Pflegenetz nutzen.

Bei weiteren Fragen beraten wir Sie gerne!

Wenden Sie sich per Mail an: pflege@arbeitskammer.de


Quellen:

Pflegefall_akut_web_2018.pdf (arbeitskammer.de)

Besuchseinschränkungen in Alten- und Pflegeheimen wegen Corona | BIVA-Pflegeschutzbund

www.eldercare-steinfeld.de

Pflegestützpunkte? » Definition • Beratungsstellen in der Nähe • Tipps | pflege.de

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