Veröffentlicht am 19. Juni 2020

Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege: Krankenpflege darf die Pflege nicht krank machen

Die neueste Auswertung der IKK Südwest zeigt, dass Beschäftigte in der Pflege, jüngere wie ältere Generationen, überdurchschnittlich hohen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt sind. Im Schnitt fallen Beschäftigte in der Pflege 26,5 Tage aus, damit 5,5 Tage länger als Beschäftigte in anderen Berufen.

Dies ist nicht Neu und nicht verwunderlich, denn Zeitdruck, Arbeitsverdichtung und Abstriche bei der Qualität der Versorgung sind weit verbreitet. Aber auch schwere körperliche Arbeit prägt den Arbeitsalltag vieler Pflegekräfte. Hinzu kommen häufige atypische Arbeitszeitlagen sowie die verbreitete Einschätzung der Beschäftigten, dass das erzielte Einkommen nicht leistungsgerecht ist. Die überdurchschnittlich hohen Belastungen finden sich sowohl in der Kranken- als auch in der Altenpflege. Der allgemeine Befund einer hohen Arbeitsbelastung in den Pflegeberufen ist auch dafür verantwortlich, dass ein erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Berufsaustritt besteht.

Wird einer zu hohen Arbeitsintensität nicht durch Maßnahmen einer besseren Arbeitsgestaltung begegnet, wie z. B. eine veränderte Arbeitsorganisation oder zusätzliches Personal, haben die Beschäftigten nur eingeschränkte Möglichkeiten, die Situation zu bewältigen. Da die Zahl der zu versorgenden Patienten in der Regel nicht eigenständig reduziert werden kann, bleiben die Ausweitung von Arbeitszeiten, das Arbeiten in einem hohen Tempo sowie Einschränkungen bei der erbrachten Qualität der Leistungen.

Qualitätsabstriche stehen im Widerspruch zu den hohen Standards der Pflegekräfte

Sie stellen für viele Betroffene eine besondere psychische Belastung dar. Auch haben Qualitätseinbußen in der Pflege unmittelbare Auswirkungen auf die Patienten. Eine geringere Versorgungsqualität beeinträchtigt deren Wohlbefinden, kann Genesungsprozesse beeinträchtigen und den Gesundheitszustand verschlechtern. Aber nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei Pflegekräften. Eine Pflegekraft wird immer alles geben, damit es ihren Patienten so gut wie möglich geht, zu Lasten der eigenen, persönlichen Gesundheit. Nah, näher, am nächsten, aber nie sich selbst – das ist Pflege.

In den Spots der aktuellen AK-Pflegekampagne „Ich bin eine*r von rund 18.000“ werden Pflegebeschäftigte bei der Arbeit gezeigt und kommen selbst zu Wort. Sie machen auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Alten- und Krankenpflegekräfte aufmerksam.

Die Arbeitskammer richtet in den bisher veröffentlichten Spots folgende Forderungen an die Politik:

  • bessere Arbeitsbedingungen
  • bessere Personalausstattung
  • faire und höhere Entlohnung
  • verlässliche Dienstpläne
  • kein Ruf aus dem Frei
  • Einhaltung von Höchstarbeitszeiten
  • Einhaltung von Pausenzeiten
  • bessere Aus-, Fort- und Weiterbildung
  • mehr Zeit für Pflege am Bett
  • mehr Zeit für Einarbeitung von Personal
  • mehr Zeit für die Förderung von Fähigkeiten der zu Pflegenden
  • ressourcenerhaltende Pflege
  • allgemeinverbindlicher Tarifvertrag

Weiter Infos zur Online-Pflegekampagne

Zum AK-Themenportal Pflege

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