Veröffentlicht am 15. Oktober 2021

„Mental Health in an Unequal World“: Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober 2021

Die World Federation for Mental Health* (WFMH) (Deutsche Übersetzung: Weltverband für psychische Gesundheit) hat für den „World Mental Health Day“ (Deutsche Übersetzung: Welttag der psychischen Gesundheit) am 10. Oktober in diesem Jahr das Motto „Mental Health in an Unequal World“ (Deutsche Übersetzung: „Psychische Gesundheit in einer ungleichen Welt“) ausgegeben. Hierbei handelt es sich um eine Globale Sensibilisierungskampagne um Psychische Gesundheit in gesellschaftlichen und politischen Ebenen in den Fokus zu rücken.

Die Aktionswoche findet jedes Jahr rund um den Welttag der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober statt und wird 2021 erstmals vom Bundesministerium für Gesundheit finanziell gefördert. Mehrere Psychosoziale Einrichtungen, Selbsthilfeorganisationen und Initiativen engagieren sich in verschiedenen Ländern. Informationen rund um das Thema sowie Tipps und praktische Hilfen für den Alltag werden in mehr als 600 Veranstaltungen für Jung und Alt präsentiert.

Durch eine Befragung im Jahr 2020 wurden diverse Ungleichheiten bezügliche Rasse, sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität sowie ethnischer Zugehörigkeiten und mangelnde Achtung der Menschenrechte in vielen Ländern sichtbar.

Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen sind von diesen Ungleichheiten betroffen. Nach wie vor werden Menschen mit psychischen Erkrankungen teilweise ausgegrenzt und stigmatisiert!

Die World Federation for Mental Health möchte mit dieser Kampagne auf die zunehmende Ungleichheit zwischen reichen und armen Ländern aufmerksam machen. In Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen haben zwischen 75% und 95% der Menschen mit psychischen Störungen überhaupt keinen Zugang zu psychiatrischen Diensten. Was überraschend ist, ist das der Zugang in Ländern mit hohem Einkommen nicht viel besser ist. Das hat mehrere Ursachen. Fehlende oder zu geringe Investitionen, die in keinem Verhältnis zum gesamten Gesundheitsbudget stehen, tragen zur Behandlungslücke bei der psychischen Gesundheitsversorgung bei.

Die COVID-19-Pandemie hat das noch stärker verdeutlicht. Besonders Kinder und Jugendliche sind vermehrt von psychischen Erkrankungen betroffen. Monatelang herrschte Kontaktsperre, außer der eigenen Familie gab es fast keine sozialen Kontakte. Der Mangel an Austausch mit Gleichaltrigen, Bewegung und Sport hatte negative Auswirkungen. In dieser „Corona- Hochphase“ wurden viele in eine depressive Stimmung katapultiert, in der sie teilweise stecken geblieben sind. Scham und die Angst vor Ausgrenzung hindern die Jugendlichen oft daran nach Hilfe zu fragen. Der notwendige Gang zum Arzt bleibt aus, lieber wollen sie versuchen Ihre Erkrankung zu „Verstecken“ und nehmen nur noch bedingt am gesellschaftlichen Leben teil. Das Problem ist, dass dadurch der Krankheitsverlauf ungünstig beeinflusst wird, ebenfalls kann sich die Prognose verschlechtern.

In einer bundesweiten COPSY-Studie, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht haben, wurden nach dem ersten Lockdown von Mai bis Juni 2020 eine erste umfangreiche Online-Befragung zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und ihren Familien in Deutschland durchgeführt. Die repräsentative Stichprobe der bundesweiten COPSY-Studie umfasst mehr als 1.000 11- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche sowie 1.500 Eltern von 7- bis 17-Jährige. Der Online-Fragebogen umfasste Fragen zum Umgang der Kinder mit der Krisensituation, Fragen zu den Bereichen Schule, Freunde und Familie, zu psychischen Problemen wie Ängsten und Depressionen und zu psychosomatischen Beschwerden. Auch das Familienumfeld, der Medienkonsum und Ernährungsgewohnheiten wurden beleuchtet. Damals fühlten sich 71 Prozent der 11- bis 17-Jährigen durch die Pandemie seelisch belastet. Zwei Drittel von ihnen gaben eine verminderte Lebensqualität und ein geringeres psychisches Wohlbefinden an. Vor Corona war das nur bei einem Drittel der Kinder und Jugendlichen der Fall gewesen, laut der Forschenden des UKE.

Bei der zweiten Befragung, die nach der gleichen Methode erfolgte, wurden von Dezember bis Januar 2021 mehr als 1000 Kinder und mehr als 1600 Eltern befragt. Mehr als 80 Prozent von ihnen hatten schon bei der ersten Befragung teilgenommen. Die Ergebnisse zeigten das die subjektive seelische Belastung der Kinder und Jugendlichen noch einmal angestiegen ist, und zwar auf mehr als 80 Prozent. Auffälligkeiten, Sorgen und Ängste hatten deutlich zugenommen. Kopfweh, Bauchschmerzen, depressive Symptome, Niedergeschlagenheit sowie andere psychische und psychosomatische Auffälligkeiten waren auch noch zehn Monate nach Beginn der Pandemie bei jedem dritten Kind vorhanden. Insgesamt hat sich die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen nochmal verschlechtert. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien.

Das Bundesfamilienministerium betrachtet die Entwicklungen mit Sorge. Bereits im Frühjahr 2021 wurden viele Maßnahmen ergriffen. Die Anpassung des Kinderzuschlags, zusätzliche Mittel für die Kindertagesbetreuung und Ganztagsbetreuung in Grundschulen sowie ein geplantes Aktionsprogramm für Kinder und Jugendliche zum Abbau von Lernrückständen und zur Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung wurden auf den Weg gebracht.

Ziel dieser Kampagne ist es den Fokus von Politik und Gesellschaft auf die Probleme in diesem Bereich zu richten. Zivilgesellschaften sollen dabei unterstützt werden, eine aktive Rolle bei der Bekämpfung der Ungleichheit in ihren Ländern zu spielen. Forschende sollen ermutigt werden, ihr Wissen über die Ungleichheit der psychischen Gesundheit zu teilen, einschließlich praktischer Ideen, wie sie dies angehen können. Die Kampagne zum Welttag der psychischen Gesundheit 2021 bietet die Möglichkeit, zusammenzukommen und gemeinsam zu handeln, um hervorzuheben, wie Ungleichheit angegangen werden kann, um sicherzustellen, dass die Menschen eine gute psychische Gesundheit genießen können.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit setzt sich dafür ein, dass psychische Erkrankungen kein Tabuthema mehr sind.

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative in Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN). Zu den über 125 Mitgliedsorganisationen zählen Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie viele Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik. Initiiert wurde das Bündnis 2006 von der DGPPN gemeinsam mit Open the doors als Partner des internationalen Antistigma-Programms. Seit 2010 koordiniert es als größte Initiative in diesem Bereich die Woche der Seelischen Gesundheit.

Die diesjährige Aktionswoche findet vom 08. – 18. Oktober 2021 statt.

Wer sich für das Thema interessiert findet unter : Saarland – Aktuelle Meldungen – Gesundheitsministerin Monika Bachmann zum Internationalen Tag der seelischen Gesundheit und unter Woche der Seelischen Gesundheit – Aktionsbündnis Seelische Gesundheit weitere Informationen!

Viele Grüße aus dem Referat Pflege

* Die World Federation for Mental Health (WFMH) ist die einzige internationale multidisziplinäre Interessenvertretungs- und Bildungsorganisation, die sich mit allen Aspekten der psychischen Gesundheit befasst. Es wurde 1948 gegründet, um unter allen Menschen und Nationen die Prävention von psychischen und emotionalen Störungen, die richtige Behandlung und Pflege von Menschen mit solchen Störungen und die Förderung der psychischen Gesundheit voranzutreiben. WFMH ist seit 1963 eine NGO im beratenden Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) und wir stehen in offiziellen Beziehungen zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) und in formeller Zusammenarbeit mit der UN-Hauptabteilung für öffentliche Information (DPI).

Quellen:

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