Veröffentlicht am 21. August 2026

Nicht nebeneinander, sondern miteinander: Die Zukunft der Gesundheitsversorgung

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland befindet sich im Wandel. Der demografische Wandel, Fachkräftemangel, steigende Kosten und eine zunehmende Zahl chronisch erkrankter Menschen stellen das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen. Gleichzeitig stoßen traditionelle Berufs- und Zuständigkeitsgrenzen bei komplexen Versorgungssituationen zunehmend an ihre Grenzen.

Eine Versorgung im Umbruch

Die Bevölkerung wird älter, Erkrankungen werden komplexer und qualifizierte Fachkräfte fehlen.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheitsberufe verdeutlichten bereits im Juli 2024 im Rahmen einer Sitzung der Bundesärztekammer, dass eine stärkere interprofessionelle und intersektorale Zusammenarbeit einen entscheidenden Schlüssel für ein zukunftsfestes Gesundheitswesen darstellt. Die medizinische Versorgung der Zukunft wird deshalb nicht allein dadurch gesichert werden können, dass mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. Entscheidend wird vielmehr die Frage sein wie Aufgaben künftig entsprechend den jeweiligen Qualifikationen verteilt werden können.

Neue und weiterentwickelte Gesundheitsberufe gewinnen dadurch an Bedeutung. Physician Assistants, Advanced Practice Nurses, akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen, Community Health Nurses und weitere spezialisierte Gesundheitsberufe können dazu beitragen, vorhandene Kompetenzen besser zu nutzen. Dabei geht es nicht darum, ärztliche Kompetenz zu ersetzen, sondern um eine neue Verteilung von Aufgaben, Verantwortung und Kompetenzen.

Pflege erhält mehr Verantwortung

Besonders spannend ist die Entwicklung innerhalb der Pflege. Das Konzept des Advanced Practice Nursing (APN) eröffnet insbesondere akademisch qualifizierten Pflegefachpersonen neue Tätigkeits- und Verantwortungsbereiche. Das Bundesgesundheitsministerium hatte bereits im Jahr 2023 die Einführung eines entsprechenden Berufsbildes angekündigt.
Auch rechtlich hat sich 2026 etwas verändert: Das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege ist am 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Es erweitert die Befugnisse von Pflegefachpersonen und soll gleichzeitig Bürokratie abbauen.
Damit verändert sich auch das Rollenverständnis. Die entscheidende Frage lautet künftig weniger: „Wer hat diese Aufgabe bisher übernommen?“, sondern vielmehr: „Wer besitzt die entsprechende Qualifikation, um diese Aufgabe sicher und kompetent zu übernehmen?“

Die Zukunft gehört dem Team[BE1.1]

Auch Physician Assistants entwickeln sich zu einem festen Bestandteil der Diskussion über neue Versorgungsstrukturen. Ihr Tätigkeitsfeld umfasst klar abgegrenzte medizinische sowie organisatorische Aufgaben, die innerhalb eines ärztlich verantworteten Teams wahrgenommen werden. Die Bundesärztekammer führt Physician Assistants inzwischen ausdrücklich als neuen Beruf im deutschen Gesundheitswesen.

Gleichzeitig soll die Primärversorgung stärker koordiniert werden

Das Bundesgesundheitsministerium hat hierzu Anfang 2026 einen Dialogprozess zur Entwicklung eines Primärversorgungssystems gestartet. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem eine bessere Orientierung der Patientinnen und Patienten innerhalb der ambulanten Versorgung sowie ein effizienterer Einsatz der vorhandenen Fachkräfte. Gerade Menschen mit mehreren Erkrankungen könnten von einer stärker koordinierten Versorgung profitieren, wenn medizinische Behandlung, Pflege, Beratung, Rehabilitation und weitere Unterstützungsangebote besser miteinander verbunden werden und das System funktionieren würde.[BE2.1]

Digitalisierung und neue Verantwortlichkeiten.

Auch die Digitalisierung wird für die Zusammenarbeit immer wichtiger

Denn interprofessionelle Versorgung kann nur funktionieren, wenn relevante Informationen dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden. Gleichzeitig bringen neue Aufgaben und Berufsrollen neue Fragen mit sich: Wer trägt Verantwortung? Welche Aufgaben dürfen übernommen werden? Welche Qualifikation ist dafür erforderlich? Und wie werden diese Leistungen vergütet? Klare Zuständigkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen sind deshalb entscheidend.

Gemeinsam statt nebeneinander

Die größte Veränderung findet vielleicht nicht in Gesetzen oder Technologien statt, sondern in unseren Köpfen. Interprofessionelle Zusammenarbeit braucht Respekt, klare Rollen, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung. Die Bundesärztekammer beschäftigt sich deshalb bereits seit Jahren mit der Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsberufe. Auch die 38. Fachberufekonferenz im Juni 2026 stellte die Bedeutung der Gesundheitsfachberufe für eine krisenfeste Versorgung in den Mittelpunkt. und . [BE3.1]
Eine zukunftsfähige Versorgung wird vielmehr davon abhängen, dass unterschiedliche Berufsgruppen ihre jeweiligen Kompetenzen miteinander verbinden. Sie wird von Teams getragen werden, in denen unterschiedliche Kompetenzen zusammenwirken und sich ergänzen. Für die Pflege eröffnet diese Entwicklung eine große Chance nicht nur Teil des Versorgungssystems zu sein, sondern dessen Weiterentwicklung aktiv mitzugestalten.

Viele Grüße aus dem Referat Pflege!


Weitere Informationen zum Thema und Quellen:

Auf dieser Webseite werden Cookies eingesetzt. Nähere Informationen über die Verwendungszwecke, die Art der erhobenen Daten sowie über die Möglichkeiten der Erhebung Ihrer Daten zu widersprechen, erhalten Sie hier: Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen