Veröffentlicht am 4. Juli 2022

Rückenschonendes Arbeiten in der Pflege

Verglichen mit anderen Berufsgruppen, leiden Pflegekräfte überdurchschnittlich häufig unter Rückenschmerzen. Hauptgrund für Muskel- und Skeletteschwerden der Lendenwirbelsäule ist das manuelle Heben von Patienten, das Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen, häufiges Bücken oder Vorbeugen (zum Beispiel bei der Grundpflege) und schweres Heben bei Patiententransfers¹. Auch sonstige körperliche und seelische Belastungen, Sorgen und Stress können zu Rückenproblemen führen.

Es gibt unterschiedliche Konzepte zur Prävention von Rückenschmerzen, die sich bei Pflegekräfte als wirksam erwiesen haben. Einige davon sollen heute in unserem Blogbeitrag vorgestellt werden.


Die allgemeine Rückenschule

Dieses Konzept wurde bereits 1969 in Schweden begründet, was zum Ziel hatte, die biomechanischen Grundprinzipien für ein rückengerechtes Arbeiten kennenzulernen. Bei diesem Konzept soll die Körperwahrnehmung gefördert werden und die eigenen Ressourcen, wie zum Beispiel Kraft und Beweglichkeit, gestärkt werden. Durch das Erlernen von Funktionsgymnastik wird das rückengerechte Alltagsverhalten beim Heben und Tragen von Lasten sowie der Umgang mit Schmerz geschult. Seit der Gründung der Konföderation der deutschen Rückenschulen 2006 besteht ein einheitliches Schulungs-Konzept, welches durch Krankenkassen finanziert wird².

 

Rückengerechter Patiententransfer

Bei diesem Konzept geht es darum mittels standardisierter Vorgehensweisen einen Patiententransfer in verschiedenen Situationen rückengerecht durchzuführen. Durch das Anwenden des Konzeptes, dass der Bundesverband der Unfallkassen (BUK) begründet hat, und durch die Hilfe von Kollegen, soll auch hier einen Belastungsreduzierung erreicht werden³.

 

TOPAS_R Konzept

Das Konzept dient der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes für Pflegekräfte und Therapeuten. Es wurde von Experten des Präventionsdienstes der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) begründet und basiert auf einer differenzierten Analyse der betrieblichen Situation. Aufgrund dieser Analyse werden entsprechende technische, bauliche und räumliche, sowie organisatorische und personenbezogenen Aspekte integriert (Kinästhetik, Bobath, rückengerechte Arbeitsweise und Hilfsmittel). Durch die Anpassung von Arbeitsorganisation sowie Fortbildung/ Unterweisung der Mitarbeiter in der rückengerechten Arbeitsweise wie beim Ergonomico-Konzept, sollen Pflegende entlastet werden⁴.

 

Ergonomico-Konzept

Das Ergonomico-Konzept wurde von Barbara-Beate Beck (Physiotherapeutin, Berufspädagogin, Trainerin für Kinästhetik), Michael Ramm (Diplompsychologe), Forum FBB*, begründet. Im Sinne der Salutogenese wird die Frage gestellt „Was hält meinen Rücken und meine Gelenke gesund“? Das Konzept verknüpft die ergonomische Arbeitsweise mit der ressourcenorientierten Arbeitsweise mit den Konzepten, die in der Praxis zur Anwendung kommen, um die Ressourcen der Patienten und Bewohnern mit Behinderung zu erhalten und zu verbessern und dadurch die körperliche Belastung für Pflegende zu reduzieren.

 

Die Voraussetzungen für die dauerhafte Umsetzung der ergonomischen Arbeitsweise sind nach dem Forum FBB:

    • die Verbesserung der Körperwahrnehmung
    • die Bewegungs- und Koordinationsschulung
    • die Berücksichtigung der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsumgebung
    • die Berücksichtigung der biomechanischen Grundprinzipien
    • das ressourcenorientierte Handeln
    • der situationsorientierte Einsatz von Hilfsmitteln zur Bewegungsunterstützung

Das “Ergonomico“- Konzept stützt sich auf die Empfehlungen des Konzeptes „TOPAS_R“ der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)⁵.

 

Was jeder selbst tun kann

    • Angebotene Hilfsmittel und Maßnahmen, sowie entsprechende Schulungen, die die Einrichtung anbietet, annehmen, um langfristig den Rücken zu schonen und Rückenproblemen vorzubeugen.
    • Unterstützung durch Fachleute oder Kollegen im Arbeitsalltag beanspruchen.
    • Um Hilfe bitten beim Heben, Tragen oder bei der Lagerung von Patienten und Bewohnern.
    • Eigene Belastungsgrenzen einhalten
    • Stress und belastende Situationen: Seelische Ursachen für Rückenprobleme in Betracht ziehen, entspannen und sich nach einem stressigen Arbeitstag was „Gutes“ tun.
    • Bewusst auf Bewegungsabläufe und Haltung achten
    • Gutes Schuhwerk
    • Rückentraining, um den Rücken zu stärken


Viele Grüße aus dem Referat Pflege

 

Hilfreiche Links zum Thema „Gesunder Rücken“:
www.rueckenboerse.de
www.issa.int
Startseite – bgw-online
Berufsgenossenschaften / Unfallkassen (dguv.de)
https://www.aok.de/pk/magazin/sport/rueckentraining/rueckentraining-zu-hause-so-staerken-sie-ihren-ruecken/
Tipps gegen Rückenprobleme für Pflegende | Prävention in der Pflege (pflege-praevention.de)

 


Quellen:

¹ Häufiges Beugen – eine unterschätzte Belastung für Pflegekräfte (Frequent Bending – An Underestimated Burden in Nursing Professions) – bgw-online
² Prävention von Rückenbeschwerden: Durchblick im Dschungel der Konzepte (bibliomed-pflege.de)
³ https://www.unfallkasse-nrw.de/fileadmin/server/download/Regeln_und_Schriften/Informationen/207-008-2002.pdf
Prävention von Rückenbeschwerden: Durchblick im Dschungel der Konzepte (bibliomed-pflege.de
https://www.forumfbb.de/unsere-konzepte/ergonomico-konzept/index.html

 

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