Veröffentlicht am 29. Oktober 2021

Wer heilt hat Recht!? – Schulmedizin vs. Homöopathie

Der Megatrend „Gesundheit“ zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden durch fast alle gesellschaftlichen Themen und Lebensbereiche. Insgesamt ist das Interesse, nicht zuletzt durch die „Corona-Pandemie“, an den Themen Gesundheit, Pflege, Nachhaltigkeit und Umweltschutz stark gestiegen.

Was zunächst ein Lifestyle von Einzelnen war, hat sich zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe entwickelt. Das Thema Gesundheit wird nicht mehr individuell betrachtet, sondern ganzheitlich. Die Ärzteschaft, die Wissenschaft und die Pflege rücken in den Fokus von Politik und Gesellschaft. Man hat erkannt, dass man die Bereiche nicht einzeln voneinander betrachten kann, sie sind miteinander vernetzt, bilden ein globales dynamisches Wirkungsgefüge, das jetzt Aufmerksamkeit fordert.

 

Was ist Gesundheit eigentlich?

In der Satzung der WHO wird Gesundheit als „ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen“ definiert.

Infolgedessen kann man davon ausgehen, dass viele Kontexte, Umweltfaktoren, sonstige Einflüsse, individuelle Verhaltensmuster und Lebensbedingungen dazu beitragen, wie gesund oder krank jemand ist. Nicht immer kann man alle Bereiche bewusst kontrollieren, jedoch kann man sich selbst und die Lebensweise beobachten. Ist man krank sollten man nicht nur auf die körperliche oder psychische Erkrankung und deren Symptome achten, sondern auch auf Körper, Geist, Umfeld und die Umwelt. In der Medizin und der Pflege wird das Konzept der „Ganzheitlichen Betrachtung und Behandlung“ schon teilweise berücksichtigt. Ein erweiterter Blickwinkel, der letztendlich offenbaren soll, wo die Ursache der vermeintlichen Erkrankung zu finden ist. Allerdings birgt das auch Gefahren.

 

Schulmedizin vs. Naturheilverfahren

Erzielte man mit der konventionellen schulmedizinischen Behandlung durch die Humanmedizin keinen oder nur mäßigen Erfolg, scheint der Gang zum Heilpraktiker, ganz im Sinne des Back-to-Nature-Trends eine Überlegung wert.
Frei nach dem Motto „Schaden kann es ja nicht“ nimmt man die empfohlenen Globuli, Mittel oder Kräuter, die der Heilpraktiker oder Homöopath verordnet, in der Hoffnung, dass Mutter Natur es richtet, ein.
Ungünstig ist allerdings, pflanzliche Präparate in eigener Regie nach gut dünken einzunehmen, weil man annimmt, dass keine Nebenwirkungen zu erwarten sind.  Jedoch stimmt dies nicht, dass Naturheilkundliche Präparate frei von Nebenwirkungen sind. Im schlimmsten Fall kann sich die Erkrankung sogar verschlechtern. Möchte man auf eine Komplementärmedizinische Behandlung nicht verzichten, sollte man in jedem Fall zu einem Fachmann. Mittlerweile gibt es viele Humanmediziner, die Homöopathie als Leistungsspektrum aufgenommen haben. Ganzheitliche Behandlungsmethoden sind also in der Schulmedizin zu finden. Die medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“ (1) verkündete bereits im Jahr 2005 das Ende der Homöopathie. Allerdings wurde weiter geforscht. In Studien wurde eine schwache Evidenz für eine spezifische Wirkung homöopathischer Mittel, aber starke Evidenz für spezifische Wirkungen konventioneller Interventionen festgestellt. Dieser Befund ist kompatibel mit der Vorstellung, dass die klinischen Wirkungen der Homöopathie Placebo-Effekte sind. Übersichtsarbeiten jüngeren Datums behandeln den Einsatz von Homöopathie bei unterschiedlichen Erkrankungen, wie beispielsweise Grippe, Asthma, ADHS  und andere. Gesamt betrachtet findet sich in den neueren Übersichtsarbeiten keine ausreichende Beweislage, um die Wirksamkeit der Homöopathie zu beurteilen. Im Gegenzug hat die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) Mitte 2016 einen 60-seitigen Forschungsreader vorgelegt. Im Fazit kommen die Wissenschaftler und Ärzte zu einer klaren Aussage: „Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher Placebo-kontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung potenzierter Arzneimittel.“

FAZIT: Viele Patienten schwören auf Homöopathie, Wissenschaftler können sich die Wirkung aber naturwissenschaftlich meistens nicht erklären. Ob bzw. warum Globuli wirken, bleibt ungeklärt.

 

Homöopathie und Naturheilmittel in der Pflege

„Studie verdeutlicht: Weniger Bedarfsmedikamente bei Bewohnern in Seniorenwohnheimen, die regelmäßig naturheilkundliche Maßnahmen anwenden“.

„Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat in Kooperation mit der Charité und dem Kneipp-Bund e. V. eine Studie, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wurde, durchgeführt. Die Einzelergebnisse verdeutlichen, dass die Einbindung naturheilkundlicher Maßnahmen eine sinnvolle Ergänzung bei der Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen sein kann. Laut Studie wurden bei den Menschen, die eine Kneip-Therapie erhielten, weniger Bedarfsmedikamente eingesetzt. Zudem gibt es Hinweise, dass sich herausforderndes Verhalten von demenzkranken Menschen durch die Anwendung von naturheilkundlichen Maßnahmennahmen reduzieren ließe. Dies könnte wiederum das Stressniveau bei Pflegekräften senken, so die Studieninitiatoren“.
Grundsätzlich können diese Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Prävention und zur Verbesserung von Lebensqualität beitragen. Einsatz von ätherischen Ölen, wie Beispielsweise bei der Aromapflege, haben in vielen Pflegeinrichtungen bereits einen festen Platz. Unruhezustände, Befindlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, Ängste können harmonisiert werden. Vor allem bei Menschen, die an Demenz leiden, können Düfte die Sinne aktivieren und insgesamt von großem Wert sein. Leichte Massagen, physikalische Anwendung wie zum Beispiel Wärme- oder Kältewickel stimulieren den Stoffwechsel. Die Zubereitung von Tees und Raumbeduftung kann den Schlaf und das Wohlbefinden fördern. Es gibt verschiedene Präparate, die die Verdauung oder den Appetit anregen oder auch die Durchblutung fördern. Konventionelle Therapien lassen sich also gut ergänzen und die Maßnahmen sind gut in den Pflegealltag einbaubar. Hydrotherapie, Aromapflege, Kneipp-Therapie, Bobath (2), Progressive Muskelentspannung und viele andere sind naturheilkundliche Anwendungen, die in der Pflege immer beliebter werden. Allerdings gilt auch hier:  Die Maßnahmen und Anwendungen sollten im Vorfeld unbedingt mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgesprochen werden und nur von eigens dafür ausgebildeten Fachkräften umgesetzt werden.

Falls Sie Interesse an einer Fort- oder Weiterbildung in diesem Bereich haben, werden Sie unter folgenden Links fündig:  

  • Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.: dbfk.de
  • Verein zur Förderung naturheilkundlicher und ganzheitlicher Pflegemethoden, Linum e.V.: linum-wickel.com
  • Verband für Anthroposophische Pflege e.V.: vfap.de
  • Informationsplattform des Internationalen Fachgremiums für Wickel und Kompresse: wickel.biz.de

 

Viele Grüße aus dem Referat Pflege

 

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